Prostatakrebs - Magic Seminar mit Bernd Joschko 2011

Profiling mit Bernd Joschko

Wir befinden uns im Jahre 2011. Helmut, ein Mann um die 60 Jahre, befindet sich mit weiteren fünf Teilnehmern im Sessionraum im Kamala. Er nimmt an einem Magic Seminar teil. Ich, Bernd Joschko, bin der Gruppenleiter und begleite jeden in seiner Innenwelt. Jeder Teilnehmer hat Probleme und hofft, tiefe Hintergründe aufzudecken. Einige haben Krebs als Diagnose.

Helmut ist mutig und liegt als erster auf der Session-Matratze, leise Musikuntermalung läuft, die anderen schauen erwartungsvoll zu. Ich frage, was er gerade erlebt.

„Das war eine sehr schöne, weite, breite, vornehm eingerichtete Treppe, die ich hinuntergegangen bin, mit Teppichen ausgelegt und einem Messinggeländer an der Seite.“

Helmut beschreibt mir, was er erlebt, nachdem ich ihm meinen Tiefenentspannungstext vorgelesen hatte. Ich sagte ihm abschließend: „Lass nun eine Treppe auftauchen, die du noch nie gesehen hast, und beschreibe mir, was du nun in deiner Innenwelt erlebst.“

Ich gebe nur ein Anfangsgerüst vor, und Helmuts PSYCHE kleidet es differenziert aus. Welche Bilder tauchen dazu auf? Dies ist bei jedem Menschen unterschiedlich und sagt etwas über ihn persönlich aus. Helmut hat Prostatakrebs, und wir beide wollen herausfinden, was da im Hintergrund in seiner PSYCHE arbeitet. Was hat er erlebt?

Was wird er jetzt erleben? Helmut berichtet weiter: „Unten komme ich in einen hell erleuchteten Saal. Ich schaue mich ein bisschen um. Auch hier ist schönes gedämpftes Licht und Teppiche am Boden, und da kommt so eine Art Empfangschef auf mich zu, begrüßt mich freundlich und fragt, ob ich hier etwas reserviert hätte. Es kommt mir so vor wie ein edles Lokal. Ich sage ja, ich möchte hier gerne eine Besprechung mit ein paar Kollegen abhalten. Das ist ein kleines Seminar. Ach ja, sagt er, Sie haben ja angerufen. Das ist das Seminar über Revierkonflikt und Prostatakrebs. Schauen Sie, da an der Tür, da ist schon reserviert, da steht’s schon drauf und Sie können jetzt eintreten.“

Helmut öffnet die Tür, und ich spiele gleichzeitig von einer Geräusche-CD ein Türquietschen ein. Dieser Audioeffekt verstärkt die Aktivierung autonomer innerer Bilder, denn Helmut soll sich ja nicht eine Geschichte ausdenken, sondern diese soll sich, aus seinem Unterbewusstsein aufsteigend, entwickeln. Diese von mir in den 90er Jahren entwickelten synergetischen Innenweltreisen erlauben es dem Klienten sogar, die inneren Personen anzusprechen und in einfache Dialoge einzutreten, wie Helmut hier erlebt.

„Das ist ein Raum, der im Charakter ähnlich ist, mit Gewölben und Säulen. Auch hier sind Teppiche am Boden, eine angenehme Beleuchtung, und um den rustikalen Charakter ein bisschen zu unterstreichen, sind an den einzelnen Säulen auch noch Fackeln angebracht und in der Mitte steht ein langer großer wunderschöner Eichentisch. An beiden Seiten so kostbare Hochlehnstühle, gepolstert und mit Armlehnen. Es lädt geradezu ein, sich da niederzulassen,“ berichtet Helmut weiter. Gesagt getan, doch es passiert nichts weiter.

Um die Erlebnisreise anzukurbeln, fordere ich seine PSYCHE auf, mal jemand auftauchen zu lassen und bitte Helmut, nur neugierig abzuwarten, wer von selbst hereintritt, denn der hat irgendwas mit dem Thema zu tun, definiere ich die Anweisung. Wen wird sein Unterbewusstsein vorbeischicken?

„Es tritt ein, mein ...“ Helmut bricht ab und fährt nach einer Pause, nach einer Beschreibung ringend, fort: „... früher hätte ich gesagt Freund ... und Vorgesetzter Prof. Ferdinand Wagner, mit dem ich mich duze und viele Interessen teile.“

Damit eine ergiebige innere Konfrontation entsteht, fordere ich Helmut auf, hinzuschauen, mit welchem Gesichtsausdruck er auftaucht, und direkt mit ihm zu reden.

„Du schaust aus wie immer, mit einem leicht ironischen Lächeln auf dem Gesicht, was dich denn hier unten erwartet in diesem Seminar.

Da kommt ja noch jemand, da kommt Prof. Sieber, der Chef dieses neuen Experiments, was da aufgebaut wird: Schön, dass Sie da sind...“

Ich erkläre Helmut, dass dieser Chef jetzt ein Bild aus seiner Innenwelt ist, also Teil seiner PSYCHE, und er könne ruhig mit ihm per Du reden, denn er rede ja streng genommen nur mit einem Anteil von sich selbst, also mit einer Prägung, die sein Chef in ihm hinterlassen habe.

Etwas unsicher fährt Helmut fort: „Also ohne große Zeremonie, ab sofort Otto und Du ... “, sagt er zu ihm. Überraschend taucht noch jemand auf. „Das ist der Chef des Instituts, der ehemalige – auch ein Professor,“ erklärt Helmut mir. „Zu ihm muss ich jetzt auch DU sagen?“ fragt Helmut irritiert.

Ich bestätige: „Der läuft ja auch in dir rum und hat vielleicht was mit deinem Revierkonflikt zu tun.“ „So, jetzt haben wir sie alle: Ferdinand, Otto und Ewald.“ Ich bleibe hartnäckig, „Wer kommt da noch?“

So eine Informationsstruktur, die Krebs erzeugt, ist üblicherweise sehr vielschichtig. Also gibt es auch Bilder, Ereignisse und beteiligte Personen dazu, weiß ich aus vielen Sessions.

Eine junge Frau taucht auf, die seine Nachfolgerin ist für den Posten, den er bis vor einem Jahr hatte, erklärt Helmut mir. Alle schauen etwas bedrückt, „so als wüsstet ihr, warum ich euch hierher zitiert habe. Ich bin nämlich der Chef hier, das ist für euch vielleicht neu,“ erläutert Helmut seine neue Machtposition gegenüber seinen Innenweltfiguren. „Das, was wir hier machen werden, - ich will euch nicht verprügeln, obwohl ihr es verdient hättet - ich will euch mal gehörig die Meinung sagen ... all das, was ihr mir die ganzen Jahre nicht zugestanden habt, und was für miserable Manager ihr alle seid.“

Offensichtlich kommt jetzt alter Groll hoch, alte runtergeschluckte Konflikte der Konkurrenz auf seinem hochangesehenen Forschungsgebiet als Physiker, wo man eher akzeptiert, in einem Krankheitszustand zu landen, der auch Krebs bedeuten kann, statt offen Machtkämpfe auszutragen. Ist dies sein Revierkonflikt? Er konnte sich nicht durchsetzen?

Ich ermuntere ihn, nicht nur Dampf abzulassen, sondern seine inneren Figuren auf seinen Krebszustand hinzuweisen. Technisch gesehen geht es hier um eine Rückkoppelung innerhalb eines komplexen Systems der PSYCHE. Die Synergetik Therapie sieht die Anordnung von Informationen in der neuronalen Struktur des Gehirns verortet, und echte Veränderungsarbeit kann man sehr gut mit der Auslösung von Selbstorganisationsprozessen durchführen. Dafür muss allerdings der Status Quo destabilisiert werden: Die inneren Figuren müssen betroffen gemacht werden. Es ist ein großer Unterschied, ob Helmut innerlich nur „rumschimpft“ oder ob er aus seiner Position eines Menschen mit Krebs heraus sich zeigt.

Helmut muss dies alles nicht wissen, da er mich als seinen Innenweltbegleiter ausgewählt hat und mir die Prioritäten der Aufdeckung und Veränderung von Informationsstrukturen aus tausenden Sessions bekannt sind. In der modernen Sprache der heutigen Zeit würde man von der Veränderung von Algorithmen sprechen, um neue positive Wirkungen zu erzeugen. Aber dazu später mehr.

Sachlich erläutert Helmut seinen alten Vorgesetzten und Kollegen: „Es ist euch sicher nicht bekannt, aber sowas wie Revierkämpfe, die es ja immer wieder gibt, können sich nachteilig auf die Gesundheit auswirken. Und ich habe den dringenden Verdacht, dass ich mir mit den Revierkämpfen, die ihr mir in den letzten fünfzehn Jahren zugemutet habt, dass die möglicherweise die Ursache sind für meine Krebserkrankung, und deswegen möchte ich gerne mit euch reden.“

Immer wenn ein Klient seinen inneren Figuren etwas aufzeigt, höre ich als Begleiter darin nur seine Sichtweise – seine Weltsicht. Es geht nicht um Wahrheiten, sondern es ist sehr interessant zu sehen, welche Gegenreaktion aus seiner Innenwelt darauf erfolgt. Das innere Reaktionsmuster repräsentiert auch das körperliche Symptom oder Krankheitsbild. Ich fordere Helmut wieder auf, das Gespräch sehr persönlich werden zu lassen und sich zu zeigen – er zeigt sich dann sich selbst.

„Keiner von euch, soweit ich weiß, leidet unter Prostatakrebs. Ihr wisst also nicht genau, wovon ich rede. Es ist eine bedrohliche Erkrankung, und sie kann ganz üble Formen annehmen und natürlich kann man daran auch sterben. Ich bin in den letzten 12 Jahren durch Höhen und Tiefen gegangen, und ich möchte dem jetzt gerne ein Ende bereiten.“

Er wendet sich Ferdinand zu und erinnert ihn an Streit und längst vergangene Auseinandersetzungen und Ungerechtigkeiten. Ich schicke den heutigen Helmut jeweils in die verschiedenen Erlebnisse zurück, und der Helmut von heute soll dem Helmut von damals in der abgespeicherten Situation als Moderator beistehen. Wichtig ist dies deshalb, weil Gedächtnisinhalte nur im Kontext gut erinnert werden und dieser Kontext kleine und große Traumata ebenfalls speichert. Allein dadurch wird schon der Gedächtnisinhalt verändert, weil der handelnde, auf der Matratze liegende Klient, die abgespeicherte Situation immer beherrscht. Die ICH-Struktur ist immer der Chef, wird jedem Klienten erklärt. Sollte dies bei ICH-schwachen Menschen manchmal nicht der Fall sein, weil sie auf einen strengen Vater oder Lehrer treffen, bei ihrer Reise zurück in die Vergangenheit, so lassen wir diesen Anteil Kniebeugen machen – notfalls unter Androhung der Nutzung des Dhyan-do, eines Schlagstockes.

Diese anfängliche Klärung ist sehr hilfreich, damit sich ängstliche Menschen überhaupt auf ihre Innenwelt einlassen trauen, die oft auch von Monstern und gefährlichen Situationen angefüllt ist. Das wahre Abenteuer liegt in der Innenwelt, erleben überraschend viele Menschen.

Helmut hält seinem früheren Chef vor, dass ein Mitarbeiter an einem Gehirntumor gestorben ist, der an einem bestehenden Konflikt beteiligt war. „Ich bin überzeugt, dass das maßgeblich beteiligt war...“ Ich unterbreche ihn, denn er soll diesen Kollegen herbeirufen und dieser soll das mit Kopfnicken oder Kopfschütteln bestätigen oder widersprechen. In der Innenwelt reagieren Figuren autonom, da sie auch in einem Kontext abgespeichert sind, der häufig sehr komplex ist, aber ablesbare Reaktionen erlaubt.

„Ich kann mich erinnern, wie sehr du darunter gelitten hast, wie oft ich versucht habe, dich abzuschirmen gegen die Versuche durch die Vereinnahmung durch dich, Ferdinand, und wie unglücklich du warst, dass dir letztlich nicht die Anerkennung zuteil wurde, die du dir vielleicht erhofft hattest. Hat das zu deinem Gehirntumor beigetragen? Ich weiß, dass du auch zunehmend Schwierigkeiten in deiner Familie bekommen hast, mit deiner Frau. Er nickt und meint, das wäre schon so, der Frust, nicht weitergekommen zu sein, er wäre unglücklich gewesen, usw .“

Ich bestätige Helmuts Sichtweise, dass sich Krankheiten immer aus mehreren Faktoren speisen und fraktal aufgebaut sind und erlebe seine Zustimmung, da er als Physiker diese Sichtweise gut nachvollziehen kann. Die Welt arbeitet nicht linear, sondern komplex.

Innere Figuren spiegeln auch immer die Meinung des Klienten wider und von daher sehe ich also, wie Helmut denkt. Konflikte können auch zur Krebsentstehung beitragen. Klar, sonst wäre er auch nicht hier auf meiner Matratze, wenn er dies nicht für möglich hielte. Wonach sollten wir dann suchen?

Doch die Situation ist nochmal komplizierter, denn sein Krebs ist in seinem Weltbild entstanden. Was hat er „falsch“ gemacht, dass dieser Krebs da ist? Er fällt ja nicht vom Himmel. Gefährlicherweise will der Krebs ihn aus dem Leben katapultieren. Helmut muss die Entstehungshintergründe finden, neu bearbeiten und damit entschärfen, sodass sich der Krebs auflöst.

Also: Wo hat Helmut sich so sehr gegen das Leben gestellt, dass die Evolution jetzt potentiell NEIN zu ihm sagt? Wo hat er sich gegen das Wissen oder die Weisheit der Evolution gestellt?

Höchstwahrscheinlich nicht absichtlich, sondern gemäß seinem Weltbild, das aus seiner Erziehung und den Erfahrungen seiner Vorfahren stammt. Doch wie sind die Fehlerquellen zu suchen? Genau dafür braucht Helmut mich - wo suchen wir in der komplexen Welt seiner PSYCHE ?

Es sei denn, er glaubt an die weitverbreitete Sichtweise der spontanen Mutation des Erbgutes. Diese Sichtweise ist sehr simpel: Du kannst nichts dafür, es kann jeden treffen. Das ist ein Fehler im System – oder gläubige Menschen schieben es einfach auf ihren Gott und leben damit weiter oder fühlen ihr Sterben als Strafe, die sie gnädig als Schicksal annehmen müssen.

Doch Helmut liegt auf meiner Matratze, also hält er seine Beteiligung an der Entstehung für möglich und damit greift auch der Umkehrschluss, dass er aktiv etwas dazu beitragen kann, um seine Selbstheilung zu erzeugen. Doch dafür muss ich ihm sein Weltbild „klauen“, ohne dass er es merkt; erkläre ich immer meinen Schülern. Denn sein Weltbild gibt keiner freiwillig her, denn jeder hat es sich sehr aufwendig erarbeitet. Daher wird die These vom selbstgemachten Krebs auch so vehement bekämpft.

Dabei ist es doch sehr einfach: Jeder hat ein Bild von der Welt, die auf seinen Erfahrungen und Überzeugungen beruht – egal, wo diese herkommen. Jeder Mensch hat also eine Vergangenheit, die durch seine – mehr oder weniger vorhandene - Lebenskompetenz entstanden ist, und diese ist in seiner PSYCHE abgespeichert – hat sich dort von selbst integriert. Jeder Mensch war sehr maßgeblich an seinem Leben beteiligt. Tritt Krebs innerhalb dieses Systems „Körper-Geist-Seele“ auf, muss es Fehler in der Verarbeitung des gelebten Lebens geben. Man könnte auch sagen: In seiner Lebenskompetenz gab es Schwachstellen, die dazu führten, nicht ausreichend verarbeitetes Leben in seiner PSYCHE abzuspeichern.

Erfolgreiche Selbstheilung ist in diesem Sinne immer mit einer Erhöhung der Lebenskompetenz verbunden. Also, wo hatte Helmut in seinem bisherigen Leben keine ausreichende Lebenskompetenz, sodass er sich seinen Prostatakrebs „heranzüchtete“, der nun nach seinem Leben trachtet? Streit und Ungerechtigkeiten gibt es auf sehr vielen Arbeitsplätzen – reicht das für einen „Revierkonflikt“, der zu Prostatakrebs führt? Solche Zusammenhänge werden sehr oft als völliger Unsinn weggewischt. Schön, das Helmut, als Physiker, auch gleichzeitig neugieriger Wissenschaftler ist und gerne selbst Zusammenhänge erforscht.

Ich hatte ihn kennengelernt, als er vor einem Jahr mit einem ungeheuerlichen Verdacht konfrontiert wurde und er meine Hilfe suchte. Seine erwachsene Tochter behauptete, er habe sie als Kleinkind missbraucht. In einer Session, zu der er extra von weitem anreiste, konnte ich keine Anhaltspunkte dazu finden. Er gab ihr die auf DVD aufgezeichnete Session zum Anschauen, und dies überzeugte sie, die sich schon von ihm abgewandt hatte.

Manche Väter haben tatsächlich ihre Kinder missbraucht und können sich später nicht mehr erinnern, weil dieses ungeheuerliche, gegen alle archetypischen Qualitäten gerichtete Geschehen sich tief verdrängen lässt. Doch in der Innenwelt lassen sich diese Erlebnisse wieder aktivieren und synergetisch verändern.

Eine junge Frau mit Magersucht landete nach vielen erfolglosen Klinikaufenthalten bei meiner Lebensgefährtin Rita und entdeckte dort in einer Session, wie ihr Vater sie mit 8 Jahren sexuell missbrauchte. Ihr Vater erfuhr von diesen Anschuldigungen über ihre Schwester, der sie dies erzählte, und er stellte sie zur Rede. Sie bestätigte, was sie gesehen hatte, und bat ihn gleichzeitig, sich doch auch neben sie zu legen, damit er es selbst erleben würde. Der Vater wirkte auf mich sehr selbstsicher und souverän als beide auf der Matratze vor mir lagen. Recht schnell sah er ebenfalls die Bilder, die seine Tochter während des heftigen sexuellen Missbrauchs erlebte, und alles brach in ihm auf. Zum Schluss saßen beide nebeneinander und zerschlugen gleichzeitig seine Mutter, die ihn als Kind ebenfalls zerstört hatte.

Er war völlig betroffen und sehr beeindruckt, als er von seiner Frau hörte, die bei Rita ebenfalls zeitgleich eine Session nahm, dass sie ihren gemeinsamen Sohn auch sexuell missbraucht hatte, und ihr Vater hatte sie auch selbstähnlich als Kind missbraucht. Der Fernsehsender ARTE machte aus dieser Familiengeschichte in Zusammenarbeit mit der Uni Kassel einige Jahre später einen Film zum Thema transgenerative Vererbung. Wir vererben in der PSYCHE emotional bedeutende und traumatische Erlebnisse an unsere Nachkommen. Und diese Erblast setzt sich unbewusst in Verhaltensmuster um.

Viele Beispiele von mir liegen als Video auf YOUTUBE oder www.missbrauch.net

Doch zurück zu Helmut. Offensichtlich hatte er nicht nur Arbeitskämpfe, sondern auch Probleme in seiner Familie, selbstähnlich zu seinem Arbeitskollegen. Das müssen wir noch überprüfen.

Er spricht wieder in seiner Innenwelt: „So, hoher Chef, hast du das jetzt mitgekriegt? Dein Verhalten hat maßgeblich dazu beigetragen, dass er Krebs bekommen hat, und für mich war das natürlich ein – das kann man nicht anders nennen – ein Revierkonflikt. Meine Gruppe ist mein Revier und du – selbst wenn du dreimal mein Chef bist – hast im Detail nicht hineinzureden. Das passt dir jetzt nicht, wenn ich dir das so deutlich sage, wie ich denke,“ sieht Helmut seinem verdutzten Chef an. „Und du bist nach wie vor überzeugt, dass du im Recht bist. Das bist du nicht“ – schließt er energisch seinen Vorwurf ab. „Du hast nie ein Management-Seminar besucht, sonst wüsstest du das.“

Helmut berichtet weiter von seinem Krankheitsweg: „Ich war ja dann drei Monate nicht im Institut, weil ich mich in der Schweiz hab’ bestrahlen lassen. Und in der Zwischenzeit hast du versucht, meine Gruppe zu zerlegen und die besten Leute an Land zu ziehen für andere Aufgaben. Ich habe immer gedacht, wir wären Freunde,“ – weitere Vorwürfe folgen, doch die spielen keine Rolle mehr, denn die Entstehung seines Krebses lag früher. Klar hätte auch eine rechtzeitige Bereinigung der Arbeitsatmosphäre gesundheitsfördernd für seinen Krebs sein können, aber Helmut vertraute auch den Schweizer Medizinern, die eine spezielle Teilchenkanone entwickelt hatten, um den Krebs zu töten. Später erzählte er auch noch von seiner wirkungslosen Hormontherapie.

Ich erkenne darin: Auch Schweizer Wissenschaftler sehen eine Symptombekämpfung als Heilungsweg an, und Helmuts Seite der Selbstverleugnung wird sichtbar. Er wird es später sehr bereuen. Wo wollte er nicht hinschauen?

Ich lasse ihn weiterhin im Beisein seiner Mitarbeiter mit seinem Chef reden, denn alleine diesen alten Druck verbal abzulassen, verbessert die innere neuronale Situation und somit seine Handlungskompetenz und zeitgleich sein Immunsystem. Meine Aufgabe ist es, ihm zu helfen, seine Konflikte aufzudecken und ihm Hilfestellung bei der Veränderung zu gewähren. Nach einer halben Stunde vielschichtiger Klärungsarbeit fühlt sich Helmut stärker, seine Energie fließt besser und er spürt dies im Körper: „Mir ist warm geworden. Es fühlt sich echt gut an, ich fühle mich sehr wohl jetzt,“ teilt er mir mit, und seinen Innenweltfiguren erklärt er: „Ich trage jetzt nicht mehr diesen Groll, diesen Frust mit mir herum, den ich sonst nicht mehr bis ans Ende meines Lebens losgeworden wäre. Mir ist wichtig, dass ich mich wieder identifizieren kann mit der Arbeit. Und ich trage mich mit dem Gedanken, euch einen Tag in der Woche zu helfen.“

Würde Helmut ohne Aussprache seinen unverarbeiteten Groll weiter im Körper wirken lassen, würde alleine der Besuch seines Arbeitsplatzes sich möglicherweise massiv nachteilig auf seine Gesundheit auswirken und vielleicht sogar den Krebs in seinem Wachstum explodieren lassen. Heilung geschieht manchmal auch nur dadurch, dass manche Menschen ihren Kontext ändern: Den Arbeitsplatz wechseln, einen neuen Lebenssinn finden oder sich vom Lebenspartner trennen.

Helmut soll nun nachspüren, ob es selbstähnliche Situationen schon früher in seinem Leben gegeben hat, denn wie gesagt: Die PSYCHE arbeitet fraktal: Die Puppe in der Puppe in der Puppe ...

Er landet im Elternhaus und spürt eine große Enttäuschung über seine Mutter, als er 15 Jahre war. Sie forderte ein vor einigen Jahren gegebenes Geschenk von dem Jugendlichen zurück. Ich schicke Helmut von heute in diese Situation. Er stellt sich vor: „Ich bin Helmut und komme aus der Zukunft.“

Diese Standardanweisung hilft dem Klienten, sich nicht mit der damaligen Situation zu identifizieren, sondern sie von einer höheren Warte aus als Beobachter und sodann als Moderator zu beurteilen und dem inneren Kind beizustehen. Denn dieses innere Kind wurde verletzt bzw. Helmut fühlt sich tief enttäuscht von seiner Mutter und muss geheilt werden, denn dort entstehen Muster, die das Leben prägen. Heilung bedeutet also auch hier, eine neue Lernerfahrung zu machen. Dies geht nur, indem die Originalsituation neu bearbeitet wird, und dabei kann der erwachsene Helmut konstruktiv helfen.

Helmut berichtet weiter: „Es gab später nochmal einen Fall, der mich ähnlich getroffen hat.“ Er spricht direkt zu seiner Mutter in einer Situation, wo er nachfragte, ob sie ihm ihr Auto leihen könne, was sie verweigerte: „Bei aller Liebe, aber mein Auto kriegst du nicht.“

Hat diese Enttäuschung die Entstehung seines Krebses befördert? Er fragt sie, aber sie will nicht antworten. Er besteht darauf, und dann tut es ihr leid. Helmut ist überrascht. Verständnisvoll fragt er: „Gell, Du hattest Angst, das Auto nicht wieder zu bekommen?“

Seine Mutter war schon alt und unsicher beim Fahren. Diese Erklärung hilft zum besseren Verständnis und schafft Frieden. Helmut bekommt den Schlüssel und fährt auf meinen Vorschlag hin herum und gibt ihr anschließend wieder das Auto zurück. – Beide sind zufrieden, die innere Enttäuschung aufgelöst. „Das Bild, was ich von dir hatte, ist auf diese Weise zurückgekehrt, die Mutter, die Vertrauen hat zu ihrem Sohn und ihn unterstützt, auch wenn es ein riskantes Manöver ist.“ Helmut fühlt sich nun ganz wunderbar, denn so kennt er seine Mutter. Sein Kindheitsbild von ihr ist wieder archetypisch stabil, erklärt er ihr.

Alle Personen treffen sich nun im Konferenzraum, und Helmut fühlt sich gut, weil nun alle (bisher aufgedeckten) Enttäuschungen geklärt sind. Er stellt seinen Arbeitskollegen auch seine Mutter vor, und damit geschieht in seiner vernetzten Neurowelt eine Harmonisierung.

Auf meine Anweisung hin fragt Helmut sein Unterbewusstsein: “Wenn es noch eine wichtige Person gibt, die zu diesem Thema passt, soll sie hereinkommen.“ Wer wird auftauchen? Die Tür geht auf und ...niemand kommt. Helmut berichtet von seinem ungläubigen Erstaunen, dass das schon alles gewesen sein soll, was ihn im Leben enttäuscht hat.

Plötzlich taucht eine alte Liebesgeschichte auf, eine Französin, sie stammt aus einer illustren Familie, schildert Helmut. Was empfindet er, wenn er in ihre Augen schaut, will ich wissen? „Wir haben uns in diesem Sommer kennengelernt und haben gemerkt, dass es mehr ist als so eine einfache Kameradschaft.

Wir haben uns Briefe geschrieben und uns dann Ostern getroffen: Du hast mich noch angelächelt, wie im Sommer, doch es gab im Hintergrund jemand anders. Ich habe dich darauf angesprochen und du hast es abgestritten,“ berichtet Helmut enttäuscht.

Er fragt sie jetzt in seiner Innenwelt: „Gibt es einen anderen? Du warst wie ausgewechselt, es gab kein Lächeln mehr, kein verliebtes Anschauen, kein Strahlen in den Augen mehr, das war doch so, du hast in der Zwischenzeit jemand anderes kennengelernt, das kannst du doch ruhig zugeben.“ Das Gedächtnisbild nickt. „Ich habe sehr darunter gelitten, woran ich bin. Ich habe zwar versucht, mir nichts anmerken zu lassen, aber ich wusste letztlich doch Bescheid, und was mich getroffen hat, war, dass du nicht ehrlich warst zu mir und mich so hast hängen zu lassen.“

Helmut erkennt den Zusammenhang der Enttäuschungen und erklärt es ihr: „Du sollst nur wissen, dass mir viele Jahre später im privaten und beruflichen Bereich ähnliche Dinge passiert sind, die gravierende Folgen hatten, in dem Sinne, dass ich davon Krebs bekommen habe.“

Sie schaut verständnisvoll und voller Mitleid und entschuldigt sich. Helmut von damals antwortet: „Ich finde es schön von dir, dass du dies eingestehst, auch wenn es für mich schmerzlich ist, aber es ist besser als dieser verlogene Zustand, wo ich nicht weiß, woran ich bin. Ich habe es mir schon gedacht.“

„Wenn du ganz tief reingehst, hat ein anderer Mann deine Frau ausgespannt,“ zeige ich Helmut auf. „Da war ein anderer und zack war deine Frau weg.“ Ist das sein tiefstes Muster zum Revierkonflikt – zu seinem Krebs? Die nächsten Sessions werden es zeigen.

Ich lasse Helmut direkt mit seinem „Platzhirsch“ reden, der ihm seine Geliebte ausgespannt hat. „Sie ist jetzt zu dir geschwirrt, wer weiß, für was es gut ist. Es tut natürlich weh, aber du als Triumphierender fühlst natürlich den Triumph über den Unterlegenen.“ Er schaut wie „Pech gehabt“, meint Helmut. Kann Helmut ihm das zugestehen? Er bestätigt, aber er ahnt noch nicht, wie sehr wir sein Muster getroffen haben. Erst in den nächsten Sessions wird dies sichtbar.

Helmut soll ihn auch in seinen Seminarraum einladen, doch das fällt ihm schwer: „Das geht zu weit.“ Offensichtlich hat er diesen Verlust doch nicht so tief verarbeitet, wird sichtbar. Er redet noch mit ihm bis beide einverstanden sind und gibt ihm die Hand.

Beide Männer haben sich geeinigt, und damit ist die erste Session abgeschlossen. Er berichtet noch, dass er damals viele Tage herumgeschlichen ist und das mit sich selbst ausgemacht hat. „Ich bin nicht in Tränen ausgebrochen und hab kein griesgrämiges Gesicht gemacht – wie ein Mann. Das bedrückte mich schon lange nicht mehr,“ meint er wegschiebend.

Ich übertreibe und gebe ihm den Hinweis, dass er dadurch auch sein Karzinom bekommen hat. Er, Helmut heute, würde nicht mehr darunter leiden, aber der Helmut von damals in ihm, dieser Schmerz ist ein Bestandteil seines heutigen Krebses – denn in der Innenwelt gibt es keine Zeit. Alles ist gleichzeitig da.

Ich frage nach seinem nächsten Liebeskummer. Diese haben naturgemäß die größten Verletzungen und ungeklärten Energien - doch Helmut fühlt sich rund und möchte in die Mittagspause gehen. Immerhin sind 1 1⁄2 Stunden vergangen und die anderen 5 Mitreisenden des Magic Seminars stellen noch ein paar Verständnisfragen.

 

2. Session - Helmuts Familie

„Diesmal ist die Treppe zu meiner Innenwelt sehr lang und schmal. Unten liegt der Gang im Dämmerlicht, auf der rechten Seite ist eine Holztür mit Rundbogen, und da steht „Familie“ drauf. Der Raum, den ich jetzt betrete, ist so ähnlich wie gestern: Ein recht ansprechendes Kellergewölbe mit einem großen Tisch in der Mitte, wunderschönen alten Stühlen drum herum und eine angenehme Beleuchtung. Der Boden ist ein gestampfter Lehmboden.“

Ich frage nach Bildern an den Wänden, denn jede Familie hat Ahnen und diese sind häufig wichtig. Sie tauchen dann von selbst auf. „Ja, da hängen einzelne, schon stark verdunkelte Ölbilder mit verschiedenen Portraits.“ Sie scheinen aber nicht wichtig zu sein. „Mich erfüllt eine gewisse Spannung, was denn passieren wird, die nächsten Stunden.“

Wir machen das bekannte Spiel: Schau mal, wer zuerst zur Tür reinkommt. Seine Frau taucht in ihrem heutigen Alter auf. „Ihr Gesichtsausdruck ist eher etwas ängstlich.“ Er soll sie ansprechen. „Ja, Elke, uns beiden ist nicht ganz wohl, weil wir wissen, dass wir einiges aufzuräumen haben. Sie hofft, dass nun ein Gespräch zustande kommt, was in vielen Jahrzenten nicht stattgefunden hat und zum Teil auch deswegen, weil – wie sie sagt – ich wie eine Schrankwand bin: Sie spricht mich an, und es kommt nichts zurück.“

Bevor wir tiefer einsteigen, soll er die anderen Personen dazu rufen, und seine Tochter Erika taucht auf.

„Du machst ein Gesicht als wolltest du sagen: Na endlich rauft ihr euch mal zusammen. Und dann kommt unser Sohn, der Manuel. – Ja, Manuel, du hast es immer nicht aushalten können, wenn wir, die Mama und ich, wenn wir uns gestritten haben: Hört auf zu streiten!“

Manuel bestätigt dies und fände es gut, wenn das ein Ende hätte.

Als nächstes kommt freudestrahlend sein dreijähriger Enkel herein und Helmuts Mutter, die letztes Jahr gestorben ist, wie er berichtet.

Wo bleibt sein Vater? „Der Vater ist vor vielen Jahren gestorben. - Er kommt am Stock daher, er schaut müde aus. Ich weiß, dass dir diese Dinge hier nicht so nahe sind. Du hast nie wirklich intensiv teilgenommen am Familienleben. Du warst der etwas zurückgezogene Gelehrte, der sich mit seiner Kunst, der Literatur, den Sprachen und der Philosophie beschäftigt hat.“

Wegen der Vollständigkeit frage ich noch nach den Eltern von seiner Frau. „Sie taucht so auf, wie ich sie in guter Erinnerung habe. Mutti, du schaust wie immer: vital, fit und elegant angezogen.“

Mir fällt auf, Helmut sagt Mutti zu seiner Schwiegermutti. Er bestätigt, dass er zwei Mamas in seiner Innenwelt hat. Das ist auffällig! „Die richtige, leibliche, ist die Mutter, und die Schwiegermutter ist die Mutti,“ erklärt er.

Bei Prostatakrebs geht es im Kern immer um das Thema Revier. Bin ich der König in meinem eigenen Land? Steht die Königin gleichwertig an meiner Seite? Hat die eigene Mutter die von mir auserwählte Frau akzeptiert? Respektieren mich meine Kinder, und kann ich ihnen dadurch Halt, Orientierung und Sicherheit geben?

Doch Helmut hat seine Schwiegermama zu einer zusätzlichen Mama gemacht – hat er Defizite? Achtet seine Frau den „nichtantwortenden Kleiderschrank?“ Ist er ein Vorbild für seine Kinder? Alle meine Beobachtungen bisher laufen eher auf ein NEIN hinaus. Schon bei seiner ersten französischen Geliebten hatte ein Nebenbuhler sie weggeschnappt! Welches Muster wird langsam sichtbar? Ist sein Papa ein Vorbild als Mann? Welche Beziehung lebten seine Eltern? Denn diese Vorlage wirkt immer wie eine Blaupause.

Ich weise Helmut darauf hin: Wenn er zweimal Mama hat, ist er auch zweimal Kind. Er bestätigt, „vermutlich mehrfach Kind.“

Der zum Schluss auftauchende Schwiegervater ist schon lange verstorben und spielt keine Rolle mehr, meint Helmut. Wo wird er sich hinstellen? – frage ich neugierig. „Vater, wir haben ja leider nicht allzu viele gemeinsame Erinnerungen, du bist ja wenige Jahre später, nachdem Elke und ich geheiratet haben, an Darmkrebs gestorben.“

Wer ist noch wichtig? Sein jüngster Bruder taucht auf und mit ihm ein Familiengeheimnis. „Ihn habe ich ins Vertrauen gezogen. Er weiß von meiner Geliebten, von der eigentlich sonst niemand weiß.“

Sie soll auftauchen. „Sie ist sichtlich gehemmt. Elena ist meine Schulfreundin, meine erste große Liebe, und so kennt sie auch meine Familie aus der damaligen Zeit.“ Seine Frau bringt Ablehnung zum Ausdruck. Helmut entgegnet: „Die Elena ist ja so quasi das, was du immer sein wolltest.“ Er lebt nicht mit seiner großen Liebe zusammen, sondern lebt Heimlichkeit. Das ist eines Königs, eines Revierherrschers nicht würdig. „In gewisser Weise bin ich froh, auch wenn es eine etwas ungewöhnliche Versammlung ist, wir hätten schon lange reinen Tisch machen müssen, schon lange Klarheit in die Familie bringen müssen,“ verkündet Helmut der versammelten Familie.

Das innere Geheimnis wird gelüftet. Seine Tochter hat sich schon lange gewundert über die Paarqualität ihrer Eltern: „Ihr müsstet euch doch längst getrennt haben. Wir Kinder sind aus dem Haus, was macht ihr noch zusammen?“

Ja, warum bleibt Helmut bei einer Frau, die er nicht liebt, und lebt nicht die große Liebe? Das ist eines Mannes unwürdig. Vielleicht will der Krebs Helmut dies aufzeigen? Doch wie kam es dazu? Viele Männer gehen fremd und bekommen keinen Krebs. Warum verhält Helmut sich so selbstzerstörerisch? Welche Entwicklung fehlt ihm? Und was soll er jetzt tun? Weiterhin abwarten? Nein, er will eine Lösung, sonst hätte er ja nicht das Magic Seminar bei mir gebucht – er leidet.

Er fragt seine Mutter: „Was denkst du?“ „Ich hab’ es dir ja schon immer gesagt, das ist die falsche Frau für dich.“ „Schön, dass sie das jetzt mal öffentlich ausspricht,“ betone ich. Helmut lacht. In Wirklichkeit meine ich Helmut, der es ausspricht, was er ja auch tut. „Schön, dass du es mal aussprichst vor dem Familienclan.“

Wenn eine Mutter – oder auch Vater - nicht ihren Segen gibt für die Entscheidung ihres Sohnes für seine Auserwählte, sagt sie damit: Ich weiß besser, was für dich gut ist. Sie nimmt ihn noch nicht ernst. Er ist noch der „große Junge“ und noch nicht ausreichend abgelöst. Diese Mutter hat sogar in einem gewissen Sinne Recht, denn eine Mutter gibt nicht ihr Kind frei und sagt: Geh in die Welt, sondern der Junge „reißt sich los“. Also hat Helmut sich offensichtlich noch nicht von seiner Mama abgenabelt.

Er will noch etwas von ihr – vielleicht Anerkennung? Hat er sich deshalb noch eine andere Mutti gesucht? Es sieht danach aus.

Doch wie bringe ich meine Vermutung Helmut bei? Soll ich ihm sagen: Du bist noch ein pubertierendes Kind, lebst mit einer Frau zusammen, die du nicht willst, hast sie vielleicht geheiratet, weil deine Mutter dagegen war, hast eine Geliebte mit der du deine Gefühle nur heimlich lebst, deine Kinder nehmen dich nicht ernst, auf der Arbeit gibt’s Anerkennungskonflikte, obwohl du einen Doktortitel hast und Physiker bist. Ich muss Helmuts Weltbild erschüttern, er muss es selbst einsehen, um es dann infrage zu stellen, denn sein Krebs ist auch ein Produkt seines Gesamtsystems, also auch seiner Sichtweise.

„Das kommt jetzt alles auf den Tisch,“ äußert Helmut erleichtert und zu Elke gewandt: „Du hast es ja immer gespürt, dass deine Schwiegermutter dir gegenüber Abneigung zeigt.“ Elke bestätigt: „Mutter, mir war von Anfang an klar, dass ich nicht willkommen bin, in dieser Familie. Du hast mich ja schon bei der Hochzeit darauf hingewiesen...“ – und dann erzählt Helmut eine Story. Sie ist vom Inhalt her nicht wichtig, sondern spiegelt ein Muster wider, das noch aufgedeckt werden muss. Wieso heiratet Elke einen Mann, der seine Mutter wichtiger erachtet?

Diesen Gedanken wird Helmut sicher abwehren, doch ich muss ihm das noch aufzeigen. Elke erzählt weiter: „Sie hat mich viele Male gedemütigt und gekränkt.“

Das klingt wieder nach der klassischen bösen Schwiegermama, doch ich sehe darin eine Unfähigkeit ihres Sohnes, der Mann sein müsste, seine eigene Mutter zu entthronen und diesen Platz seiner Frau zu geben.

Ich lasse Helmut nun zuerst mit seiner inneren Mutter reden, um das Thema aufzubrechen. „Das hörst du nicht gern, du weist es weit von dir, so wie du es immer gemacht hast, wenn du mit Dingen konfrontiert wurdest, die nicht in deine Welt passen. Dann hast du gesagt, Nein, das ist nicht so, das bildet ihr euch bloß ein. Mir tut es auf der einen Seite leid, dass ich dir weh tun muss, mit all den Dingen, aber es muss mal offengelegt werden. Das ist kein guter Zustand über all die Jahrzehnte gewesen, weil das die unterschwelligen Konflikte zugedeckt hat und so getan hat, als wäre die Welt in Ordnung.“

Redet da Helmut auch gleichzeitig über sich selbst? - fällt mir auf.

Seine Kinder bestätigen seine Sichtweise, und so steht die Mutter plötzlich wie isoliert da, wie eine Königin ohne Hofstaat. „Das hat ihr noch nie viel ausgemacht,“ spürt Helmut. „Möglicherweise hast du das eine oder andere geahnt, aber beiseitegeschoben,“ projiziert Helmut weiter auf seine Mutter, „und jetzt brichst du in Tränen aus. Das ist starker Tobak für dich, eine harte Zumutung.“

Helmut hat sich selbst erschüttert, denn seine innere Mama ist ein Teil seiner PSYCHE und somit kommt auch Helmut seiner Traurigkeit näher. Wie lange wird es jetzt noch dauern, bis seine Stimme auch wackelt und weint?

Wie reagiert jetzt der Ehemann, also sein Vater? Verteidigt er seine Frau? Daraus lassen sich wertvolle Schlüsse ziehen, denn wie gesagt: Das Verhalten von Helmuts Eltern als Pärchen ist auch für ihn wieder eine unbewusste Vorlage – eine Blaupause.

„Vater ergreift Partei und sagt: Hört auf, lasst die Mutter in Ruhe,“ erlebt Helmut. War nicht auch sein Sohn gegen elterlichen Streit? - erinnere ich mich. In dieser Familie herrscht keine gute Streitkultur, ein Faktor, der mit Krebsentstehung korreliert: Viel runterschlucken stärkt nicht die ICH-Struktur und fördert nicht die Autonomie. Beides sind auch Faktoren zur Verbesserung der Selbstheilung bei Krebs.

„Jetzt kehrst du die Autorität raus und wir sollen Mutter in Ruhe lassen.“ Er entschuldigt sich fast für diese Bezeichnung und fährt fort: „Unsere Erziehung – und da kannst du deine übrigen Söhne auch fragen – die Erziehung war das, was man heute als stark autoritär bezeichnen würde. Wenn wir am Tisch saßen und gemeinsam gegessen haben, dann hatten wir... entschuldige Vater, aber es war so - Du hast uns gesagt: Du redest nur, wenn du gefragt wirst. Und beim Essen wird sowieso nicht geredet, beim Essen spricht man mit dem lieben Gott,“ erinnert sich Helmut.

Ich unterstütze ihn dabei, seinen Vater in Frage zu stellen, denn auch hier scheint die Ablösung noch nicht gelungen zu sein. „Ja Vater, es tut mir leid, ich kann dir das nicht ersparen. Ich kann das so nicht unterschreiben. Das ist keine Art und Weise, wie man junge Menschen zu mündigen Menschen heranreifen lassen kann, indem man ihnen den Mund verbietet und sie nur reden lässt, wenn sie gefragt sind und sie ansonsten autoritär in die Schranken weist.“

Helmut muss erleben, wie er seine Stimme gegen seinen Vater erhebt. Das geht nur in der Innenwelt, denn in der Außenwelt ist sein Vater schon lange tot – die Chance verpasst. Er muss fühlen, wie er sich mit seinen heutigen Erkenntnissen von ihm abnabelt und er muss irgendwann, in einigen Sessions später, erleben, wie seine Eltern hinter ihm stehen und ihn gut finden – egal, was er macht und denkt. Nur dann ist er – neuronal gesehen - frei. Nur dann ist seine Chance sehr gut, erwachsen zu werden, seinen Platz einzunehmen und König in seinem Revier zu sein. Nur dann löst sich der Prostatakrebs auf, da er sein „Ziel“ erreicht hat: Helmut ist evolutionär gesehen ein Mann mit archetypischen Qualitäten und somit in der Millionen Jahre andauernden Evolution wieder erwünscht.

Ginge Helmut zur Schulmedizin, könnte ihm passieren, dass er nach einer Operation impotent ist und seinen Urin nicht mehr gut halten kann, also Windeln braucht. Die Evolution macht sichtbar: Er ist wieder zum Kind geworden und seine Überlebenszeit reduziert sich. Die Evolution liebt große starke Männer und Väter – Frauen auch.

„Was verstehst du denn davon,“ kanzelt sein Vater ihn ab. Helmut soll sich klarmachen, sein innerer Vater sieht ihn noch als kleinen Jungen, doch er sei der Boss dort. Dieses Gefecht muss er gewinnen. Er sei von dem Urbild „liebevoller Vater“ ziemlich weit entfernt, also sei er, der Vater, falsch. Helmut lacht über diesen Vergleich.

„Also Vater, hier ist eine andere Szene. Du bist hier nicht der Boss, hier bin ich jetzt der Chef. Ich muss dir leider sagen, das Bild, was du abgibst, ist absolut ungeeignet, und da müssen wir ein bisschen dran basteln.“

Helmut soll ihn direkt fragen: Hast du was mit meinem Prostatakrebs zu tun? „Junge, was fragst du sowas, ich habe doch selbst Prostatakrebs gehabt.“

Oh, ich erstaune, denn damit gibt schon der Vater dieses Thema „Revierkonflikt“ direkt an seinen Sohn weiter. Das ist sehr häufig bei Krebs. Die ungelösten Konflikte der Vorfahren werden als „Zeitbombe“ im Unterbewusstsein bei selbstähnlichen Auslösern aktiviert. Das verstärkt den Algorithmus, die Arbeitsvorschrift der Evolution, der zum Prostatakrebs bei Helmut führte. Die Energiebilder, das Verhalten bei Ausnahmesituationen, die Weltsicht werden vererbt, nicht nur die DNA ist für die Weitergabe von relevanten Informationen zuständig.

Helmut erklärt seinem Vater: „Du hast eine schwere Jugend gehabt, dein Vater ist gestorben, als du vier Jahre alt warst. Deine Mutter, die konnte dich nicht bei sich behalten, sie konnte dich nicht erziehen. Sie war selbständig, hatte einen Laden und musste den Lebensunterhalt verdienen und so bist du ins Internat gekommen. Das ist mir schon klar, dass dies nicht die optimalen Bedingungen waren, was die menschliche Entwicklung anbelangt, denn du hast ja einen Vater nie richtig erlebt. Jetzt verstehe ich auch, dass deine Rolle als Vater, da du sie nicht an dir selber erlebt hast, dass du natürlich hier eine unsichere Figur darstellst, weil Du im Grunde genommen nicht richtig weißt, wie ein Vater zu seinen Kindern sein sollte.

Du hast natürlich alles mögliche gelesen und warst in Kontakt mit Erziehern und Pädagogen – das war ja auch deine Berufsausbildung – du bist Lehrer geworden, aber wie man so schön sagt: Lehrers Kinder, Müllers Vieh, geraten selten oder nie.“

Oh, da haben wir weitere dicke Faktoren zur Krebsentstehung. Der vierjährige Junge verliert seinen Vater und wird von seiner Mutter weggegeben. Beides hat ihn zutiefst verunsichert und genau dies steckt auch tief in Helmut:

Er lässt sich nicht wirklich auf seine Familie ein und weiß nicht genau, wie „Vater“ geht. Sein Vater konnte sich nicht von seinem Vater ablösen, auch nicht von seiner Mutter. Weil er weggegeben wurde, schließt sich diese Wunde nie. Diese Themen schlummern tief in der PSYCHE als Familienerbe von Helmut.

Helmut soll virtuell seinen Opa in der Innenwelt herbeirufen, denn sein frühes Sterben hat einen hohen Einfluss auf Helmuts Welt. „Opa, hast du was mit meinem Prostatakrebs zu tun,“ fragt er das Energiebild. Wenn JA, soll das Bild grün aufleuchten, wenn NEIN, soll es rot leuchten. „Eher grün,“ bestätigt Helmut. Ihm wird klar, dass er auch seinen Kindern kein guter Vater war. Er erklärt diese neue Erkenntnis seinen Kindern. Sein Sohn bestätigt dies: „Ja Vater, Du hättest es nicht klarer formulieren können.“

„Ja, Vater hast du sowas wie Revierkonflikt erlebt?“ will Helmut herausfinden. „In der Tat hatte ich einen starken Revierkonflikt als ich vom Gymnasium wegging und mich beworben habe für die Leitung eines Instituts. Ein starker Konkurrent, der politisch sehr versiert und elegant war, gegen den ich – sagt mein Vater – eigentlich keine großen Chancen hatte. Er hat den Posten gekriegt, aber mich hat es sehr getroffen.“

Ich lasse beide miteinander reden, um die innere Spannung zu reduzieren, und weiß aber, dass solche Ereignisse nur zu einer Musterbestätigung führen, aber dies kaum zu einer Krebsentstehung beiträgt. Helmut hat sich dieses Lernfeld ausgesucht: Einen Vater, der seinen Vater früh verloren hat. Aber bei Krebs gibt es immer starke Erlebnisse innerhalb des erlebten Lebens, also Traumata als Auslöser zum Systemabsturz.

Wurde das Muster von seinem Vater an ihn übergeben? Helmut verneint zuerst: „Also, da sehe ich keine Ähnlichkeit. Ich bin in meiner Position, in meiner Funktion sehr geschätzt worden, meine Gruppe war außerordentlich erfolgreich und von unserer Arbeit hat das gesamte Institut enorm profitiert.“ Helmut hat das Thema „Durchsetzung“ offensichtlich erfolgreich gelöst. Jeder übernimmt das Lebensthema seiner Eltern und muss es erlösen – also erfolgreich bearbeiten. „Ich sehe, dass du stolz bist auf deinen Sohn,“ bestätigt Helmut.

Als nächstes meldet sich seine Frau zu Wort. „Also, das nächste Thema sollte unsere unglückliche Ehe sein. Mir geht es ja genauso, ich empfinde unsere Ehe auch als unglücklich,“ antwortet Helmut. Er sieht selbst und gesteht dies, dass er nie gelernt hat, sich verbal auseinanderzusetzen. „Die Verbindung ist irgendwann abgerissen.“ Er erkennt, auch dies scheint von seinen Eltern als Vorlage zu stammen. „Gelegentlich kommt es vor, dass du einen Zipfel der Wahrheit erwischst,“ bestätigt humorvoll sein Vater.

Wir kommen zurück zu seiner Ehe. Warum holt sich seine Frau nicht einen „neuen Schrank“ – wenn sie unter Helmut leidet. „Was will sie überhaupt von dir“ – provoziere ich ihn. „Warum bist du bei mir geblieben“ will er von seiner Frau wissen. „In den ersten Ehejahren hatte ich die Hoffnung, ich könnte dich erziehen“ – antwortet sie.

Unglaublich, aber diese Sichtweise ist weit verbreitet: Frauen suchen sich einen Mann, den sie dann verändern wollen. Dahinter steckt aber immer ein unzugängliches Vaterbild. Die Sehnsucht nach dem Vater. Helmut lacht.

Seine Geliebte hat ihn erreicht, seine Frau nicht. Warum? Helmut erklärt weiter. „Mir hat auch zu schaffen gemacht, dass du dich äußerlich stark verändert hast. Du warst eine junge hübsche Frau, als wir geheiratet haben, aber durch deine mangelnde Bereitschaft, dich sportlich zu betätigen, konnte es nicht ausbleiben, dass die tolle Figur, die du hattest, allmählich verloren gegangen ist. Du hast dich oft beschwert, dass ich ein vordergründiger und oberflächlicher Idiot sei, der sich wegen 10 cm Speck dann so aufregt, aber es hat dazu geführt, dass ich mich mit anderen Frauen eingelassen habe. Das waren in den frühen Ehejahren nur Sachen von kurzer Dauer und ich habe schnell gemerkt, dass es nicht das ist, was ich will.“

Helmut sucht offensichtlich – aber nach was?

Wäre es ihr lieber gewesen, er hätte sich offenbart? Sie bestätigt, dann wäre der Konflikt auf dem Tisch und so ist er nicht sichtbar. Helmut fängt an zu verstehen. Sie hat es gespürt, dass da andere Frauen waren. „Ich habe es nie zugegeben,“ - erklärt mir Helmut. „Ich weiß, dass du darunter gelitten hast, ich fühle mich scheiße, heute, in der Rückschau, wie ich dich behandelt habe, phasenweise,“ gesteht er ihr. Ob sein schlechtes Gewissen seinen Krebs miterzeugt? Er steht ja nicht wirklich zu sich! Er verhält sich nicht wie ein König, eher wie ein Dieb in der Nacht.

Helmuts Frau spürte oft die Unklarheit der Beziehung. - Vielleicht wollte sie es auch nicht genau wissen und die heile Welt nach außen war wichtiger? Sie hätte ihn ja konfrontieren können.

„Ja, ich weiß, dass es dir lieber gewesen wäre, wenn du es gewusst hättest. Irgendwann einmal in einer turbulenten Phase habe ich dir gestanden, dass ich eine Freundin hatte, von der ich mich getrennt hatte. Du hast mir gesagt, dass du in dem Moment, wo ich dir das gesagt habe, mir schon verziehen hattest. Aber es war halt nur die halbe Wahrheit, denn in der Zwischenzeit hatte ich eine neue Beziehung angefangen. Hast du das gespürt und darunter gelitten?

- Natürlich habe ich sehr darunter gelitten, bestätigt sie. Ich habe dich ja immer noch geliebt und hing immer noch an dir. Du hast doch gesehen, wie dreckig es mir ging, phasenweise. Nach vielen Jahren einer verunglückten Ehe, bis ich dann körperlich und seelisch so am Boden war, dass man mich sechs Wochen in ein Sanatorium geschickt hat.“

Helmut gesteht: „Da habe ich unserer Ehe keine Chance mehr gegeben. Natürlich habe ich mich schuldig gefühlt und fühle mich heute noch immer schuldig.“ Elke kommen wieder ein paar Tränen. Helmut kann es aber noch nicht spüren. Was hat ihn so verhärtet? Er lässt seine Frau für ihn weinen, denn auch er hatte keine schöne Ehezeit. Jetzt begegnet ihr euch, erkläre ich ihm, sie weint und vielleicht spürt sie auch deine Betroffenheit. Jetzt seid ihr ehrlich miteinander.

Ist das die inhaltliche Lösung eines existentiellen Problems?

Es spielt sich alles nur in seiner virtuellen Innenwelt ab. Doch diese verändert sich durch die innere Auseinandersetzung. Anteile untereinander harmonisieren sich – wir harmonisieren sein Gehirn. Eine Kohärenz entsteht, würde die Salutogenese sagen. Es ergibt einen inneren Sinn, denn Kohärenz erleben bedeutet Zusammenhänge erleben. In diesem Sinne erlebt Helmut einen Sinnzusammenhang seiner inneren Anteile. Ich will ihn in den Zustand versetzen, dass er ein Gefühl der Handhabbarkeit erlebt: Dazu gehört auch die Überzeugung oder das Erlebnis, dass Schwierigkeiten lösbar sind und dass man über geeignete Ressourcen verfügt. Helmut erlebt sich und seine (innere) Frau im ehrlichen Austausch. Wie seine Frau zuhause reagiert, ist im Moment unwichtig.

„In deiner Innenwelt musst du irgendwann mit ihr klarkommen, am besten sie akzeptieren, respektieren oder sogar lieben können,“ erkläre ich ihm. Ein Schuldgefühl wäre weiterhin krankheitsfördernd.

„Eigentlich wissen wir doch beide, dass es mit uns keine Gemeinsamkeit mehr geben wird,“ erklärt er ihr, doch dieser Gedanke wird sich in den nächsten Sessions sehr wandeln. „Ich sehe keinen Weg, dass wir auf irgendeine Weise wieder zueinander finden. Da werden noch viele Schuldgefühle da sein, die trennen,“ ist Helmut überzeugt.

Gute Ergebnisse sind nicht das Produkt eines Kompromisses, sondern ein mögliches Ergebnis eines Prozesses, an dessen Anfang Helmut erst steht. Er kann daher noch nicht das Ziel sehen, auf das er hinarbeiten müsste. Er ist verwirrt. Ein synergetisch arbeitender Therapeut freut sich über diesen – vorübergehenden, aber notwendigen – Prozess der Verwirrung. Eine schöne neue Ordnung entsteht nur durch das Durchlaufen eines Chaosprozesses, indem man die Orientierung - vorgegeben durch die bisherige Strategie, die ja zu der Krankheit geführt hat – verliert.

Stabile Gesundheit ist immer das Ergebnis eines Chaosprozesses: die Kernaussage der Synergetik nach Prof. Hermann Haken, dem Begründer. Ich habe seine Sichtweise in der Uni Gießen 1982 durch sein Buch „Erfolgsgeheimnisse der Natur“ kennengelernt und auf Selbsterfahrungsprozesse der Innenwelt – der PSYCHE – übertragen.

Ich empfehle Helmut als ersten Schritt eine weitere echte Aussprache mit seiner Frau – innen wie außen. Er wird nun sehr ehrlich und erzählt seiner Frau von seiner großen Liebe. „Es ist so, dass ich Anfang der 90er Jahre, als ich die Elena beim Klassentreffen wiedergesehen habe, wahrgenommen habe, dass sie das geworden ist, was man unter einer erfüllten und wunderbaren und tiefen Beziehung versteht. Wo soll da noch Platz sein?“

Helmuts Herz ist seit 17 Jahren besetzt. „Das wird dir jetzt weh tun, aber wann immer wir uns getroffen haben für ein, zwei oder drei Tage, wir haben von morgens bis abends miteinander geredet – es war einfach wunderbar.“ Seine Frau Elke erwidert: „Das ist das, was ich immer gewollt hätte von dir.“

Warum sind beide noch zusammengeblieben? „Ich glaube, sie liebt mich noch, sie findet ihre Erfüllung darin, mich gut zu versorgen.“ Lebt sie eine Mutterqualität mit ihm – Helmut ist ihr Kind? Helmut lacht unsicher: „Ich bin nicht deine Mutter, hat sie oft gesagt.“ Es bleibt die Frage: Warum ist Elke keine Frau? Gibt es eine Selbstähnlichkeit bei ihrer Mutter? „Es hilft ja nichts, du bist mehr die Sorgende. Ich fühle mich dir gegenüber verpflichtet, weil ich dich so widerlich behandelt habe.“

Ich provoziere Helmut: „Sie ist das Kind und du versorgst sie.“ Er bestätigt: „Es ist eine gegenseitige Versorgungsrolle.“ – Das ist möglicherweise die Attraktion in eurer Beziehung gewesen, biete ich ihm als Erklärung an, und Mann und Frau sind beide nicht so richtig da.

Helmut lacht wieder unsicher: „Wie siehst du das denn? Dass wir hier uns, als Vater und Mutter, gegenseitig zusammengefunden haben und nicht als Mann und Frau?“ – „Es ist nur eine Erklärung, du machst nur, dass du dich als Mann woanders lebst,“ versuche ich ihm als Erklärung und als Verminderung seines Schuldgefühls anzubieten.

„Das ist keine große Überraschung,“ bestätigt seine Familie. In seiner Innenwelt ist seine Tochter froh: „Es wurde Zeit, dass du mal sagst, wie es ist. Mich hat das seit Jahren gestört, die Lüge in der Familie, und ich bin froh, dass das hiermit mal klargestellt wird.“

Das Thema Missbrauch der Tochter wird noch einmal aktiviert. Helmut ist sehr verletzt, weil seine Tochter dies von ihm gedacht und ihren Sohn vorsichtshalber von ihm ferngehalten hat. Auch das trägt zum Revierkonflikt bei: Helmut wurde in den letzten Jahren nicht von seiner Tochter als Vater akzeptiert; diese Wunde ist noch nicht verheilt, spürt er und sagt es seiner Tochter.

Um eine ganz andere Sichtweise in die Runde zu bringen, fordere ich Helmut auf, er solle mal seine Geliebte Elena sprechen lassen. Sie hat ihn ja erreicht.

„Ja, Helmut, ich habe dir ja viele Male gesagt, dass die innere Verbindung schon seit der Schulzeit zwischen uns war und mir schlagartig klar war: Das ist der Mann, den du willst.“ Helmut bestätigt: „Mir ging es genauso. Dann haben wir uns nach dem Abitur leider aus den Augen verloren.“

Elena erklärt, sie habe mit ihrer Mutter darüber gesprochen, denn er war evangelisch und sie katholisch. Helmut lacht, „Damals spielte das noch eine trennende Rolle.“ Elena erzählt Helmut: „Es gab damals noch einen Rivalen neben dir, der mich haben wollte, und irgendwann habe ich diesen Mann dann geheiratet. Wir haben drei Kinder in der Zwischenzeit, doch in all den Jahren habe ich die Gedanken und Gefühle an dich nicht verloren. Und als wir uns dann bei einem Klassentreffen wiedersahen, da hat es mich wie ein Schlag getroffen, und es brach alles wieder auf. Du warst wieder der, den ich haben wollte. Ich bin wochenlang wie auf Wolken gegangen.“

Einige Jahre später gab es wieder ein Klassentreffen, und da ging es Helmut so ähnlich wie Elena. „Nach diesem erneuten Wiedersehen wurde mir klar, was ich verloren hatte, dass sie eigentlich diejenige ist, nach der ich mich all die Jahre gesehnt habe – trotz Ehe und Kindern. Auf einer Dienstreise hatte ich noch Zeit, wir haben uns getroffen, und so kam eines zum anderen. Daraus hat sich über die Jahre eine intensive harmonische und tiefe Beziehung entwickelt. Wir haben uns nicht ein einziges Mal gestritten.“

Beide leben ihre Liebe nicht. König und Königin sind nicht zusammen, das Königreich nur virtuell. Beide leben im falschen „Revier“.

„Ihr habt euch sehr viel verboten damit,“ – werfe ich ein. Helmut bestätigt. Elena hat es auch hingenommen und beiden war klar, dass sie nicht aus ihrem Umfeld wegkönnen. „Was habt ihre beide euch da zugemutet?“ bringe ich es auf den Punkt: Ein Liebespaar, dass seine Liebe nicht lebt. „Wir waren beide feige und haben es unserem Partner nicht getraut zu sagen, es wäre für beide das Ende gewesen“, erklärt Helmut. „So einfach einen flotten Dreier hättest du nicht hingenommen, Elke“, fragt er seine Frau suggestiv. Sie hätte darauf bestanden, dass wir uns trennen, meint seine Frau.

Wie die Wahrheit gewesen wäre, weiß niemand, denn Helmut fragt ja hier nur seine Frau in seiner Innenwelt und darin steckt auch seine Überzeugung, seine Weltsicht.

Ist Helmut einverstanden mit dem Verlauf seines Lebens in der Reflexion? Braucht er Harmonie oder hadert er noch mit sich? Aber das Revierproblem ist damit noch nicht gelöst. „In der Tat denke ich so: Schade, dass wir nicht den Mut gefasst haben, um zusammen neu anzufangen. Leben ohne Versteckspiel und faule Ausreden, wo jeder vom Anderen in der tiefen Zuneigung ein ganz erfülltes Beisammensein gespürt hätte.“

Wäre diese Version wirklich so gewesen? Oder ist sie von der Sehnsucht danach getragen? Das Leben ist oft so, wie es ist, perfekt, denn es ist das Ergebnis einer Entwicklung. „Oder ihr hättet festgestellt, wenn ihr gemeinsam lebt, ihr passt auch nicht zusammen. Vielleicht ist ja diese Konstellation perfekt gewesen, Fernbeziehungen sind oft stabil,“ – provoziere ich. Helmut bestätigt, diese Überlegungen waren beiden nicht fremd - er wollte auch den Alltag mit ihr leben. Es tut weh - spürt er.

„Elena, du bist durch unterschiedliche Phasen gegangen. Du warst am Anfang etwas verstimmt darüber, dass mein Nein so klar war, erst in den letzten Jahren bist du etwas umgeschwenkt.“ Hat sie resigniert?

Die Aufdeckungsarbeit wird noch heftiger. „Ach, so eine Scheiße“ – entfährt es Helmut am Ende dieser Session. Betroffenheit ist immer eine Voraussetzung für echte Veränderung. „Schaut mich an Leute,“ wendet er sich wieder mit bewegter Stimme an seine innere Familie. „Jetzt seht ihr, wie es in mir aussieht.“

Und an Elena gewendet sagt er: „Und zu all dem kommt noch hinzu, dass du in den letzten Jahren stark beeinträchtigt bist durch deine Erkrankung. Es tut so weh zu sehen, dass du mit diesem Parkinson nicht zurechtkommst und dass ich nichts machen kann.“

„Sie wird immer unerreichbarer für dich“ – bringe ich es auf den Punkt. „Die Telefonate werden immer schwieriger,“ gesteht Helmut. Ich versuche ihm das Muster aufzuzeigen: Sie ist nur ab und zu für dich erreichbar, und es wird immer weniger. Vielleicht ist die Krankheit der Ausdruck eurer Beziehung, schiebe ich noch nach.

„Diese Idee ist mir auch schon gekommen,“ bestätigt der leidende Helmut. In Sessions mit Menschen mit Parkinson ist mir aufgefallen: Alle haben immer mehr ihre Gefühle weggedrückt, stärken immer mehr die rationale Position ihrer Gedankenwelt, um ihr Lebensproblem so zu meistern. Emotionale Konflikte, Verzweiflung und Sehnsüchte wurden weggedrängt, die Körperspannung erhöht sich, um sich zitternd als Alarmsignal zu äußern.

Elenas Erkrankung ist offensichtlich die Folge ihrer nicht gelebten Sehnsucht, die in Erstarrung und Resignation umgeschlagen ist und bei Helmut zu Prostatakrebs führte, weil beide nicht ihre Liebe leben. Die Evolution will glückliche Menschen, alle anderen verkürzen ihre Aufenthaltsdauer hier auf der Erde oder erstarren.

 

3. Session – Die unlösbare Situation

„Ich bin eine sehr schöne Treppe hinuntergegangen, Marmor an den Wänden, angenehm beleuchtet, in einen Gewölberaum mit einer sehr schön geschnitzten Holztür.“ Der Raum sieht ähnlich aus wie bisher. „Der Boden ist weich, es ist ein schöner alter Teppich,“ beschreibt Helmut weiter.

Solche Informationen wie Treppe, Bodenbeschaffenheit, sagen symbolisch viel aus, sollen aber hier nicht extra kommentiert werden. Helmut lässt sich auf einem Stuhl nieder und fordert sein Unterbewusstsein auf, denjenigen hereinzuschicken, der am stärksten mit seinem Thema Krebs zu tun hat. Wer wird kommen?

Dr. Hamer taucht auf. Helmut hatte ihn vor acht Jahren in seiner Not angerufen. Er meinte damals nur, Prostatakrebs sei nicht gefährlich, er bräuchte einen guten Zuhörer und solle sich aussprechen. Da gäbe es wohl eine Dame aus der Vergangenheit... Sinngemäß endete das Gespräch – so hat es Helmut jedenfalls verstanden - mit dem Rat, er solle diese Beziehung nicht so ernst nehmen und darüber lachen. Er konnte nicht darüber lachen und meinte zu mir, er hätte den Hinweis nicht verstanden, denn er konnte darin nicht den von Dr. Hamer postulierten „Revierkonflikt“ bei Prostatakrebs erkennen.

Wo ist da der Zusammenhang? Die Dame von früher ist tatsächlich als Geliebte da, doch Dr. Hamers Aussage beschäftigte Helmut all die Jahre und schuf Verwirrung, wie er gesteht. Dr. Hamer ist bekannt geworden, weil er behauptete, Krebs entstehe durch einen Konfliktschock. Er stellte sich mit dieser Sichtweise gegen die Schulmedizin, postulierte die Verweigerung der Chemo und wurde daher massiv verfolgt.

Beide Frauen reden miteinander, sie waren hinter Dr. Hamer ebenfalls im Raum aufgetaucht. Die Sichtweisen sind sehr verschieden, und sie sind durchdrungen von Vorwürfen. Helmut schaltet sich als Vermittler ein und erinnert seine Frau daran, wie er ihr vor Jahren mitteilte: „Es war keine Ehe mehr. Wir hatten uns längst auseinandergelebt.“ Helmut nimmt die Schuld auf sich: „Durch mein Verhalten, Freundinnen, die ich hatte, war nur noch wenig übrig von dem, was einmal die Basis für unsere Ehe dargestellt hat. Ich weiß noch, als ich dir gesagt habe: Ich kann nicht mehr mit dir schlafen. Jede andere Frau hätte mir die Koffer vor die Tür gestellt. Du hast es nicht getan. Und in diesem Bewusstsein, dass es mit unserer Ehe nicht mehr weit her ist, habe ich ein paar Jahre später Elena wieder getroffen.“

Elena hatte nur eine Chance, weil er innerlich auf der Suche war und sie auch den falschen Mann hatte. Doch warum ergreift Helmut nicht diese Möglichkeit? Wo ist der Mann in ihm? Entstehen Revierkonflikte eher bei Männern, die keine sind? Ist die archetypische Qualität des Mannes bei Helmut noch nicht ausreichend ausgebildet? Ist er irgendwo der „große Junge“, der sich noch nicht von seiner Mama losgerissen hat? Diese Vermutung verdichtet sich.

Wir erinnern uns: Helmut hatte sogar zwei Mamas und nimmt nun auch seine Frau als weitere Versorgungsperson. Er verliebt sich in Elena, doch er traut sich nicht, offen um sie zu werben. Erlaubt die Evolution diese Unbestimmtheit als stabile dauerhafte Möglichkeit? Scheinbar nein: Beide werden krank und ziehen sich vom Leben zurück.

Doch wie kann er dies erkennen?

Helmut erkennt und teilt dies auch mit: Elena ist ganz sicher nicht der Auslöser gewesen. Er fragt in die Runde: „Kann Krebs eine langfristige Folge von Schuldgefühlen sein? Zweifellos hatte ich die!“ Wenn das so wäre, warum bekommt dann Elena nicht auch Krebs?

Beide verpassen intensives Leben und betrügen ihre Partner bzw. sich selbst. Es muss noch einen fundamentalen Unterschied geben.

Ich frage nach dem Entstehungszeitpunkt. Er liegt vor der Zeit als Helmut Elena wiedertraf. Er erzählt folgende Geschichte: Seine Tochter hatte ein halbes Jahr vor dem Auftreten der ersten Symptome einen massiven Konflikt mit ihm und kletterte nach dem Streit auf einem überhängenden Balkon herum. Helmut deutete dies falsch als Selbstmordversuch und bekam Panik. Einige Monate später verstärkten sich auch seine Arbeitsplatzkonflikte und der Prostatakrebs wurde diagnostiziert. Offensichtlich war dies der Auslöser des Revierkonfliktthemas. Es gibt kaum etwas Schlimmeres als wenn ein Kind sich umbringt, um den Vater zu betrafen, denn er hat für die Sicherheit in seinem Revier Sorge zu tragen. Seine archetypisch geliebte Tochter wollte das Zuhause der Familie verlassen – auch wenn sich dies alles als großer Irrtum herausstellte, ist der erlebte Moment prägend für dieses Ereignis und aktiviert selbstähnliche archaische Dramen. Die emotionale Geborgenheit gibt es symbolisch gesehen nur im Königreich des Vaters.

Dagegen hat Helmut geglaubt: Seine Prinzessin verlässt den König und geht ins Schattenreich.

Krebs ist das Ergebnis eines starken unlösbaren Themas, das sich selbstähnlich aufschaukelt und oft mit einem „Flügelschlag des Schmetterlings“ beginnt. Oder ein massives Lebensereignis aktiviert alte selbstähnliche Erinnerungen im Unterbewusstsein oder im Familienenergiefeld abgespeicherte Traumata und verstärkt somit das Muster.

Krebs ist ein Thema der Lebenskompetenz – nicht der Heilung. Krebs lässt sich nicht heilen. Es braucht immer einen Prozess der Veränderung: Einen Selbstheilungsprozess. Wie verarbeite ich Konflikte? Wo muss ich hinschauen lernen? Und folgerichtig: Wie kann ich Krebs vorbeugen? Die Erforschung der Resilienz gibt da gute Hinweise.

Zurück zu Helmut. Seine beiden Frauen, seine Mutter und seine Tochter, sehen ihn nicht als König an, und er wird am Arbeitsplatz in Frage gestellt. In der Regel sind es 6-8 Faktoren, die zusammenwirken und Krankheitsmuster entstehen lassen.

Faktor 1: Seine Frau – ist nicht seine Frau, er lebt nur mit ihr.

Faktor 2: Seine Geliebte – er lebt nicht mit ihr. Der „innere Mann“ ist nicht archetypisch ausgereift.

Faktor 3: Seine Mutter dominiert noch und „entscheidet“ über ihn. Der Pubertierende ist noch nicht ausgereift.

Faktor 4: Seine Tochter löst Konfliktschock aus und bezichtigt ihn später des Missbrauchs. Korrespondiert mit Faktor 5.

Faktor 5: Der „innere Vater“ hat Defizite, sein Vater hatte schon keinen Vater und konnte sich somit nicht gut ablösen. Korrespondiert mit Faktor 3 und 4.

Faktor 6: Sein Chef und seine Arbeitskollegen respektieren ihn nicht genug.

Faktor 7: Sein Nebenbuhler – der Mann seiner Geliebten – hat das Aufenthaltsbestimmungsrecht: Seine Geliebte liegt im Revier des Nebenbuhlers.

Der letzte Faktor ist sehr dramatisch und Helmut noch nicht bewusst. Eine echte Heilung tritt erst ein, wenn alle Faktoren bearbeitet werden und das System wieder in seine evolutionäre Ordnung zurückkippt.

Helmut hatte sich nach der heftigen Krebsdiagnose mit seiner Tochter ausgesprochen, seine Ernährung umgestellt, das Fitnesstraining erhöht und sich zu einer Protonentherapie in der Schweiz angemeldet, denn sein PSA-Wert stiegt ständig weiter. Auf dem Weg dorthin hatte sie ihn begleitet und es war wieder die alte harmonische Verbindung zu ihr da. Helmut betrachtete diese Rückverbindung zu seiner geliebten Tochter auf der langen Autofahrt als Lösung des Konflikts.

Er hatte aber verpasst, sich zu outen, ihr von seiner Angst, sie zu verlieren, zu erzählen, am besten sogar den Schmerz gezeigt und geweint – die seelische Energie konnte nicht abfließen und Erleichterung erzeugen. Das ist das, was wir in Therapiesessions zeitversetzt nachholen, erkläre ich ihm. Er ist bereit, dies jetzt zu tun. Er geht in sein Gedächtnisbild, sitzt wieder im Auto und redet mit ihr ausführlich.

Helmut erzählt von seiner anschließenden Misteltherapie, Thymustherapie, Gedankenmedizin, Hormontherapie; aber, dass er seine Potenz durch die Bestrahlung verloren hat, erwähnt er noch nicht. Seine Öffnung seiner Tochter gegenüber geht aber nun soweit, dass er ihr von seiner großen Liebe Elena erzählt. „Es tut mir leid, dich nicht eingeweiht zu haben. Ich war einmal nahe dran, vor ein paar Jahren, als ich von einer amerikanischen Heilerin zurückkam. Das Ganze war ein totaler Flop, es war fürchterlich.“

Er erzählt weiter, wie er sich seinem jüngeren Bruder geöffnet hat, als auch er in einer Ehekrise hing: „Du bist nicht alleine,“ war seine Begrüßung und es floss aus ihm heraus. Seinem Freund am Arbeitsplatz konnte er sich auch öffnen – eine gewisse Erleichterung durch die Aussprachen konnte er jedes Mal verspüren, aber es half nicht wirklich bei seiner Heilung. Das Darüber-reden lag nun auch schon fünf Jahre zurück.

Also, was soll er tun, fragt er sich selbst: Sich von seiner Frau trennen oder bei ihr bleiben? Helmut muss auf dem Weg der Klärung bleiben und aufpassen, dass er nicht abrutscht. Es gibt keine Lösung per Entscheidung, sondern das Leben verändert sich. In welche Richtung will er? Dass kann er nur beim Gehen herausfinden. Wichtig ist, dass er die ersten Schritte macht. Doch haben wir schon alle Faktoren aufgedeckt?

Er soll sich selbst innerlich auftauchen lassen, und er fragt sich selbst als Moderator: „Helmut, wie schaut es aus mit dir? Kannst du dir vorstellen, dass du mit all dem Wissen und den Verletzungen mit deiner Frau weiterleben kannst?“ Seine Kinder wollen aber keine heile Welt mehr vorgemacht bekommen – werfen sie ein. Seine Tochter schiebt nach, wie er es denn dann mit seiner Elena halten wolle?

Da wird Helmut zu seinem großen Kummer ehrlich, wie er meint: „Elena, du bist so schwer krank geworden. Es drückt mir das Herz ab, wenn ich dran denke, dass du völlig alleingelassen bist, es möglicherweise nur an einer besseren Therapie fehlt. Wenn ich höre, wie du mir deine Schwierigkeiten beschreibst, deine Probleme, wieviel Schmerzen du aushalten musst und die Begleiterscheinungen von Parkinson, dem Schlaf, dem immer stärker nachlassenden Gedächtnis ... und wenn das irgendwas mit unserer Beziehung zu tun haben sollte, das wäre vollends unerträglich für mich.“

Elena antwortet – daraus höre ich Helmuts Einstellung: „Das glaube ich jetzt aber nicht, Parkinson hat man, kriegt man und kann wenig dagegen machen. Es gibt halt Medikamente, die einen sind besser oder schlechter...“

Helmut unterbricht aufgewühlt und widerspricht, sie bekäme keine energische Unterstützung von ihrem Mann. Er kenne einige Menschen mit Parkinson und alle kämen zurecht, keiner hätte so zu leiden wie Elena. Sie hat offensichtlich resigniert und bekäme kaum auf die Reihe, ihre Medikamente richtig zu nehmen.

Provozierend biete ich ihm an: „Entweder man nimmt Medikamente oder geht in seine Innenwelt und räumt alles auf.“ Sie solle auch eine Magic machen – so wie er jetzt. Parkinson sei nur ein Name für die Summe aller Symptome des Hintergrundes. Krankheiten sind immer nur Etiketten, damit man weiß, welche Symptome zu erwarten sind.

Was dahintersteckt, welche Lebensereignisse dort aufsummiert sind oder welche Lebenskompetenz zu verbessern ist, interessiert nur den Suchenden.

Elena leidet, weil sie nie ihre Liebe lebte, und doch ist sie ständig mit diesen Gefühlen in Kontakt und muss sie ständig wegdrücken – bis sie alles vergisst. Die Evolution arbeitet gerne mit Vergessen, aber das Leben bleibt dabei auf der Strecke, daher verkürzt es sich.

Wenn Elena jetzt eine synergetische Therapie beginnen würde, erkläre ich, würde sie sich verändern, würde nicht mehr stillhalten und brav warten... ob sie dann noch zu ihm passen würde? Wenn er diese Möglichkeit in Betracht ziehen würde, kämen dann auch intensive Schuldgefühle in ihm hoch, denn er sei ja ein Beteiligter dieser seiner Beziehung. „Deshalb ist es dir ganz recht, wenn alles so läuft, wie es läuft,“ unterstelle ich ihm. „Dein Unterbewusstsein weiß aber, dass du ein wesentlicher Verursacher von ihrem Leben bist.“

Sind wir die Verursacher unseres Lebens? Und unserer Beziehung?

„Aber jetzt protestiert irgendetwas in mir gewaltig“ – entfährt es Helmut mit lauter Stimme. „Das ist ja wirklich ein Ding... wenn ich die Ursache sein soll.“

Ich fasse zusammen: „Du hast ganz starke Sehnsucht nach der Frau und bekommst mit, dass sie sich dir immer mehr entzieht, und du weißt nicht damit umzugehen... Wenn es bei dir einen psychischen Hintergrund für deinen Krebs gibt, warum soll es bei ihr nicht auch so sein?“

„Ich bin ja der letzte, der sich dagegen sträuben würde, solche Behandlung zu versuchen. Ich würde alle Hebel in Bewegung setzen, um das möglich zu machen.“

Helmut beschreibt mir skeptisch die letzten Monate: „Ihr Mann weiß ja nichts von uns. Ich muss also vorsichtig sein. Ich kann ja nicht einfach zu ihm sagen: Du, Deine Frau braucht das und das. Ich habe also an Elena einen Brief geschrieben, in dem ich als guter Schulfreund auftrete, und biete ihr Hilfe an. Deine Beeinträchtigungen scheinen mir so stark zu sein, dass ich fast glaube, dass du nicht die richtige Therapie hast.“ Er bietet ihr an, sie in eine Spezialklinik zu fahren. Sie hat diesen Brief - als guter Schulfreund - ihrem Mann gezeigt, doch der hat abgelehnt.

Helmut kennt nur den heimlichen Weg, und ich sehe eine Chance nur in der radikalen Offenlegung der Wahrheit.

Es wird nun auch folgendes sichtbar: Helmuts Geliebte befindet sich in einem anderen Revier und der Revierinhaber hat kaum noch Interesse an ihr. Helmut muss zuschauen, wie seine Geliebte „verreckt“. Er hat keine Handlungskompetenz mehr.

Was soll Helmut jetzt tun: Sich trennen, damit es ihr und ihm besser geht, oder alles auffliegen lassen, damit beide endlich zusammenkommen und die Krankheiten sich auflösen?

„So kann es nicht bleiben. Ich müsste dann mein Herz in beide Hände nehmen, müsste zu dem Mann hinfahren und sagen...“ – „So jetzt haben wir den Revierkonflikt richtig auf dem Tisch liegen,“ werfe ich schnell ein. Helmut lacht verblüfft auf: „Oh yes, of course.“

Ist es im jetzigen Stadium überhaupt noch möglich? Eine Magic mitmachen und aufräumen? „Sie bekommt das nicht mehr auf die Reihe,“ vermutet Helmut.

„Wenn sie Medikamente nimmt, ist der Zugang schwieriger,“ werfe ich noch ein. Elena müsste richtig Entwicklungsarbeit leisten, müsste aggressiver werden, ihre Resignation, ihre Erstarrung sprechen eine andere Sprache. Sie muss wahrscheinlich zuerst noch die Qualitäten entwickeln, die sie für die Wiedererlangung ihrer Lebendigkeit braucht. Der Prozess braucht somit Zeit. Haben die beiden dafür noch Ausdauer?

Helmut untermauert: „Aggressivität nach außen hatte sie nie, und jetzt durch den Parkinson hat sie keine mehr. Sie ist nicht mehr imstande, gegenüber ihrem Mann zu sagen: Ich will aber da zu dieser Klinik.“

Offensichtlich kann sie nicht mehr aus ihrem Lebenskontext ausbrechen – Helmut kann nicht als Retter auftreten. Selbstheilung geht nur mit eigenen Impulsen.

Helmut hat seine große Liebe verpasst. Halb scherzhaft biete ich ihm die Idee an, sich mit ihr für das nächste Leben zu verabreden. In diesem Leben hat er gelernt, wie es sich anfühlt, das Leben und die Liebe zu verpassen – also wird es im nächsten Leben wieder sein Thema, diesmal mit mehr Mut und Aggressivität.

Ich biete ihm an, in seiner Innenwelt sollte er mit dem Ehemann von Elena reden, damit er innerlich die jahrelange Sperre durchbricht. „Du hast eine wunderbare Frau und tust nichts“ – projiziert er auf ihn. Eine längere Klärung steht an. Seine Ehe ist auch abgeschliffen und abgearbeitet. Helmut erkennt sich in ihm wieder. „Ich wäre selig, wenn ich an deiner Stelle wäre und alles für diese Frau tun dürfte,“ äußert er noch, doch er winkt ab. Leider kann er in diesem Moment nicht auch seine selbstähnliche Position mit seiner eigenen Frau erkennen – daran müssen wir noch in den verbleibenden Sessions arbeiten.

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ – fordert Helmut Elenas Mann auf. „Wenn ich nur deine Zustimmung hätte...“

Wir spielen noch verschiedene Möglichkeiten durch. Ob er diese Aussprache dann irgendwann mal im Außen macht, kann man der unbekannten Zukunft überlassen.

In seiner Innenwelt sollte er aber zum „Mann“ werden. Und Elena für immer verabschieden – sie loslassen und ihr seine Tränen der Sehnsucht zurücklassen, damit er wieder frei wird für neues Leben.

In Helmuts Innenwelt weiß seine Frau nun über alles Bescheid, ob er es ihr in der Außenwelt erzählt, bleibt auch wieder der unbekannten Zukunft überlassen.

Er könnte sich jetzt voll auf sie einlassen. Sie ist immer noch da. Wieviel er ihr von sich zeigt, mag er immer wieder selbst neu entscheiden, denn beide könnten völlig neu anfangen und gemeinsam den Lebensabend gestalten. Ob er ihr alles beichtet oder sein „altes Leben“ loslässt, muss er selbst entscheiden.

Beides ist zur Heilung möglich.

Eine weitere Möglichkeit liegt darin, seine komplette Vergangenheit in einem Ritual abzuschließen und hinter sich zu lassen und auf eine neue Liebe zu setzen. Seine Erfahrungen machen ihn reif und offen für weitere Lebensbeziehungen.

Leider ist er durch die Bestrahlung impotent geworden, und er meint, dies wäre ein Hindernis für eine neue Liebesbeziehung.

Helmut ist jetzt an seiner wichtigsten Stelle – wohin wird er sich wenden? Egal, was er tut, es wird sein Leben verändern. Diese Unsicherheiten hatte er schon lange im Kopf, erklärt er der Runde: „Was könntest du noch machen?“ fragte er sich oft.

Ich widerspreche. Diese konkrete Idee hattest du dich noch nicht getraut, zu denken: „Geh hin zu ihm, erkläre ihm, Du liebst seine Frau, und wenn wir jetzt alles offenlegen, wird sie vielleicht wieder gesund“ – biete ich ihm als naheliegende Möglichkeit an. „Diesen Revierkonflikt hast du dich noch nicht getraut zu lösen.“

„Das ist richtig, soweit konnte ich nicht denken.“ - „Ist ja auch richtig so, dafür bezahlst du mich ja auch, weil ich anders denke wie du“ - einigen wir uns zum Abschluss.

Wir beide lachen. Helmut äußert noch seine Dankbarkeit gegenüber der Gruppe, die ihn in seinen Seelenäußerungen nicht ablehnte oder verurteilte.

Davor hatte er ein bisschen Angst – aber jedem Teilnehmer ging es in der Magic ebenso. Jeder lernte vom anderen und alle unterstützten sich gegenseitig.

 

Prostatakrebs:

Prostatakrebs ist in Deutschland unter Männern die häufigste Krebserkrankung. Pro Jahr werden nach Angaben des Robert Koch-Instituts bundesweit etwa 63.400 Neuerkrankungen diagnostiziert.

Vor dem 45. Lebensjahr wird diese Erkrankung kaum beobachtet. Ein 35-Jähriger hat ein sehr geringes Risiko, innerhalb der nächsten zehn Jahre die Diagnose Prostatakrebs zu erhalten: Es liegt bei weniger als 0,1 Prozent. Umgerechnet bedeutet dies: Von 1.000 Männern im Alter von 35 Jahren muss – rein statistisch – nur einer vor seinem 45. Geburtstag mit einer Erkrankung rechnen.

Mit dem Alter steigt das Risiko allerdings an: Für einen 70-Jährigen liegt das Erkrankungsrisiko für die nächsten zehn Jahre schon bei 5 Prozent: Von 1.000 70-jährigen Männern werden 50 im nächsten Lebensjahrzehnt voraussichtlich einen Tumor in der Vorsteherdrüse entwickeln. Je länger Männer leben, desto höher wird auch ihr Risiko, Krebs zu bekommen.

Studien liefern Hinweise darauf, dass Männer mit Prostatakrebs in ihrem Leben seltener Samenergüsse hatten als gesunde Männer im selben Alter.

Am seltensten erkrankten demnach jene Teilnehmer an Prostatakrebs, die mindestens 21-mal pro Monat ejakulierten. Ihre Krankheitswahrscheinlichkeit lag um rund ein Fünftel niedriger als in der Vergleichsgruppe, die nur siebenmal pro Monat zum Höhepunkt kam.

Die Ursachen von Prostatakrebs sind bisher in der Schulmedizin noch weitgehend unbekannt. Als wichtigste Faktoren gelten Alter und die familiäre Veranlagung.

Bernd Joschko: „Das Alter ist kein Risiko, sondern Männer erleben vermehrt Situationen zum Thema „Revier“ ohne ausreichende positive Konfliktbewältigung. Der Hintergrund von Prostatakrebs liegt immer im Ahnenfeld. Die Bewältigungsstrategien auch.“

Wer seine „Entwicklung“ verweigert und obrigkeitshörig die Schulmedizin mit ihrer radikalen Zerstörung des Symptoms bevorzugt, den schickt die Evolution möglicherweise wieder in die Windelphase, und Impotenz verhindert die Fortpflanzung.

Bei der operativen Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie) wird versucht, die angrenzenden Nerven, die für die Erektionsfähigkeit zuständig sind, zu erhalten.

Dennoch gehört die Impotenz zu den möglichen Nebenwirkungen, wie auch die Harninkontinenz und andere Probleme beim Wasserlassen.

 

Was sagt die KI dazu? Welche Muster wirken? Was sind die Möglichkeiten der Heilung?